12.10.2012

„Gibt es noch ein wirkliches Offline?“

Es hat sich als allgemein übliche Art etabliert, im Netz seinen aktuelle Standort zu veröffentlichen. Nutzer können zum Beispiel eigene Fotos hochladen und mit bestimmten Orten verknüpfen, sich gegenseitig Nachrichten schreiben und Tipps austauschen. Unternehmen können Coupons oder Sonderangebote anbieten und versenden, Aktionen und Gewinnspiele organisieren oder äußerst zielgerechte Werbung schalten.

Das Web 2.0 ist nicht nur ein Medium der Beteiligung, sondern auch der Zukunft, denn man kann Arbeitsplätze finden, Freundschaften schließen, Aktivitäten planen, Essen bestellen oder Haustiere und ungeborene Familienmitglieder in virtuelle Stammbäume eintragen. Am Beispiel des größten sozialen Netzwerks Facebook, das neben MySpace, studiVZ und Twitter als Paradebeispiel des Web 2.0 gilt, möchte ich zeigen, dass Interaktionen und Kollaborationen im Internet nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich bringen, über die man sich häufig nicht bewusst ist. Benutzer teilen ihr Leben mit Freunden, Bekannten und Unbekannten und pflegen in sozialen Netzwerken nicht nur ihre Profile, sondern unbeabsichtigt auch die Datensammlungen unterschiedlicher Unternehmen. Was bedeutet das?

Die vorliegende Erklärung der Rechte und Pflichten beruht auf den Facebook-Grundsätzen und bildet die Nutzungsbedingungen. Ich beziehe mich hierbei auf die letzte Überarbeitung vom 08. Juni 2012.

Du bist Eigentümer aller Inhalte und Informationen, die du auf Facebook postest. Zudem kannst du mithilfe deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen kontrollieren, wie diese ausgetauscht werden. Ferner:
2.1. Für Inhalte wie Fotos und Videos, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, („IP-Inhalte“) erteilst du uns, sofern du in deinen Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen nichts anderes einstellst, die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löschst, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht.
2.2. Wenn du IP-Inhalte löschst, werden sie auf eine Weise entfernt, die dem Leeren des Papierkorbs auf einem Computer gleichkommt. Allerdings sollte dir bewusst sein, dass entfernte Inhalte für eine angemessene Zeitspanne in Sicherheitskopien fortbestehen (die für andere jedoch nicht zugänglich sind) [1].
10.1. Du erteilst uns die Erlaubnis, sofern du in den Privatsphäre-Einstellungen nichts anderes festgelegt hast, deinen Namen und dein Profilbild für kommerzielle, gesponsorte oder verwandte Inhalte (wie z. B. einer Marke, die dir gefällt), die von uns zur Verfügung gestellt oder gestaltet werden, einzusetzen.

Was heißt das?
Was das Thema Teilen von Inhalten und Informationen betrifft, so geht es um die Einräumung eines einfachen Nutzungsrechts, das die Internetseite berechtigt, das Werk auf die erlaubte Art zu nutzen, ohne dass eine Nutzung durch andere ausgeschlossen ist [2]. Das Nutzungsrecht beinhaltet den Bestimmungen nach auch die Weitergabe bzw. eingeschränkte Einräumung der Nutzungsrechte an Dritte. Das bedeutet, dass die Internetseite Fotos und Videos ohne erneute Einverständniserklärung für gewerbliche, gesponsorte oder verwandte Inhalte weiterverwenden darf, sofern die Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen nicht angepasst wurden. Unter diese Inhalte fallen nicht nur Anzeigen aus den Bereichen Kosmetik und Mode, sondern auch Dating, Erotik und viele mehr. Hierzu zählen auch fiktive Todesanzeigen oder nachgestellten Unfallszenen, die auch an Autobahnen zu sehen sind. Der erste Schritt, um die Einstellungen zu ändern, lautet:

1. Konto
2. Kontoeinstellungen
3. Facebook-Werbeanzeigen
4. Einstellungen für Werbeanzeigen von Drittanbietern bearbeiten
5. Im Dropdown-Menü auf „niemand“ stellen.
6. Änderungen speichern

1. Jedes Mal, wenn du mit Facebook interagierst, erhalten wir Daten über dich, beispielsweise wenn du die Chronik einer anderen Person aufrufst, eine Nachricht versendest oder erhältst, nach Freunden oder Seiten suchst, Inhalte anklickst, aufrufst oder auf sonstige Art mit ihnen interagierst, eine Facebook-Handyanwendung nutzt oder Facebook-Gutschriften bzw. andere Dinge über Facebook erwirbst.
2. Wenn du Dinge wie Fotos oder Videos auf Facebook postest, erhalten wir gegebenenfalls auch zusätzliche, ergänzende Daten (oder Metadaten), etwa die Uhrzeit, das Datum und den Ort, an dem du das Foto oder Video aufgenommen hast.
3. Wir erhalten Daten von dem Computer, Handy oder anderem Gerät, mithilfe dessen du auf Facebook zugreifst, auch wenn sich mehrere Nutzer über dasselbe Gerät anmelden. Bei diesen Daten kann es sich um deine IP-Adresse und andere Informationen über Dinge wie beispielsweise deinen Internetdienst, deinen Standort, die Art (einschließlich IDs) des von dir genutzten Browsers oder die von dir besuchten Seiten handeln. Beispielsweise können wir dir mitteilen, wer von deinen Freunden in deiner Nähe ist, wenn wir deinen Standort per GPS bzw. einer anderen Lokalisierungssoftware erhalten.
4. Wir erhalten Daten immer dann, wenn du ein Spiel, eine Anwendung oder Webseite nutzt, welche/s die Facebook-Plattform verwendet, oder wenn du eine Webseite besuchst, auf der eine Facebook-Funktion (wie zum Beispiel ein soziales Plug-in) vorhanden ist, manchmal auch über Cookies. Diese Daten können das Datum und die Uhrzeit deines Besuchs auf der betreffenden Webseite enthalten; dies gilt auch für die Internetadresse oder die URL, auf der du dich befindest, und ebenso für die technischen Daten über die IP-Adresse und den von dir genutzten Browser sowie das von dir verwendete Betriebssystem; enthalten ist auch deine Nutzerkennnummer, wenn du auf Facebook angemeldet bist.
5. Manchmal erhalten wir von unseren Werbepartnern, Kunden und anderen Dritten Daten, die uns (oder ihnen) bei der Schaltung von Werbeanzeigen sowie dem Verständnis der Online-Aktivität behilflich sind und Facebook allgemein verbessern. Beispielsweise unterrichtet uns ein Werbetreibender unter Umständen darüber, wie du auf eine auf Facebook oder auf einer anderen Webseite platzierte Werbeanzeige reagiert hast, um so die Wirksamkeit der betreffenden Werbeanzeige zu messen – und ihre Qualität zu verbessern. (...)

Was heißt das?
Die besonderen Bestimmungen für Nutzer außerhalb der USA verdeutlichen, dass Facebook seine User auf der Webseite auf Schritt und Tritt verfolgt. Nicht nur Freunde, Nachrichten, Seiten, Inhalte, Verwendung der Handyanwendung, Käufe, Uhrzeit, Datum, Ort, Computer, Handy, IP-Adresse, Internetdienst, sondern auch Browser und anderes werden nicht nur empfangen, sondern auch gespeichert.

Informationen, die immer öffentlich zugänglich sind:
1. Namen
2. Profilbilder und Titelbilder
3. Netzwerk
4. Geschlecht
5. Nutzername und Nutzerkennnummer


Was heißt das?
Diese Informationen können nicht unwiderruflich gelöscht werden und bleiben selbst bei Löschung des Benutzerprofils in Sicherheitskopien und Inhalten, die mit anderen Nutzern geteilt und nicht gelöscht wurden, weiterbestehen.

Weitere Informationen findet ihr hier:
Datenverwendungsrichtlinien
Zahlungsbedingungen
Plattform-Seite
Richtlinien zur Facebook-Plattform
Werberichtlinien
Richtlinien für Promotions
Bereich für Markengenehmigungen
Melden von Beschwerden über eine Verletzungen am geistigen Eigentum
Gemeinschaftsstandards
Nutzungsbedingungen für Seiten
„Facebook Site Governance“-Seite

Ich möchte meinen Namen, mein Zuhause, Orte, an denen ich mich wohl fühle und Orte, an die ich mich zurückziehe nur preisgeben, wenn ich den Zeitpunkt und das Publikum selbst bestimmen kann. Ich möchte nicht, dass meine Fotos, Profilbilder und Titelbilder für irgendwelche Aktionen und Kampagnen verwendet werden, mit denen ich mich nicht identifizieren kann oder von denen ich nicht weiß. Der Hauptbereich meines Lebens soll offline stattfinden und die Online-Aktivität soll nur eine Ergänzung sein. Da Facebook unkontrollierbare Anteile hat, gibt es für mich uneinsichtige Überschneidungen, die mich veranlasst haben, von einer Registrierung bei Facebook abzusehen. Gleichzeitig kann ich andere verstehen, die sich bewusst damit beschäftigen, die Regeln, Rechte und Pflichten akzeptieren und Freude daran haben. Ich möchte mit diesem Artikel diejenigen informieren, die sich damit noch nicht auseinandergesetzt haben und/oder denen die Details nicht klar sind, um die bewusste Entscheidung für oder gegen Facebook zu erleichtern.

[1] Zusatz für Deutschland: Ziffer 2 gilt mit der Maßgabe, dass unsere Nutzung dieser Inhalte auf die Verwendung auf oder in Verbindung mit Facebook beschränkt ist.
[2] Bundesministerium der Justiz (o. J.). UrhG - Einzelnorm. Verfügbar unter http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__31.html [12.10.12]

Kommentare:

  1. Ich bin hauptsächlich wegen meines Blogs bei Facebook auch aktiv geworden - allerdings ist "aktiv" da wohl eine kleine Übertreibung... sagen wir mal "prinizpiell präsent" - leider muss man sich auch persönlich privat anmelden und eine Freundin ist mit mir die Sicherheitseinstellungen durchgegangen... Aber ganz wohl fühle ich mich auch mit Facebook nicht.

    Ein schönes beispiel ist, als plötzlich einige User ihre PRIVATNACHRICHTEN in der eigenen oder der Timeline der jeweiligen Gesprächspartner öffentlich sehen konnten... äh... ja... super...

    Was Du schreibst, dass man die Rechte an den eigenen Bildern so weit aufgiebt, dass damit sogar kontextfremd Schindluder betreiben werden kann, finde ich ganz schön erschreckend... Die Auswirkungen sind einem doch nicht ganz bewusst... ich finde es gut, dass Du das mal so zusammenfasst!

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  2. Wie immer ein ganz toller kritischer Post! Ich bin zwar selbst auf facebook angemeldet aber ich bin eigentlich nur präsent wie meine Vorrednerin und nicht aktiv, in erster Linie bin ich eigentlich nur noch dort um einige Kontakte nicht zu verlieren, sonst hätte ich mich glaube ich schon gelöscht. Denn ich mag facebook gar nicht mehr, es ist mir zuwieder wie nach und nach die Privatsphäre immer mehr abgeschafft wird, was mit den Nutzerdaten passiert und vor allem aber auch wie selbstdarstellerisch viele Leute mit diesem Medium umgehen. Natürlich hat es auch Vorteile aber ich sehe das nur noch so, dass der Freundschaftsbegriff verschwimmt und man private Informationen mit Leuten teilt denen man das so persönlich alles nie mitgeteilt hätte...

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  3. Toller Bericht! Klasse geschrieben. Mehr kann ich dazu grad gar nicht sagen. Einfach gut!

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  4. Dein Bericht gefällt mir sehr gut. Ich bin ganz deiner Meinung, dass man sich wirklich dessen bewusst sein sollte, wenn man sich im Netz tummelt. Es ist jedem selbst überlassen, wo er sich anmeldet und was er dort tut. Ich glaube allerdings auch, dass viele gar nicht wissen, worum es da teilweise steht. Bei Facebook bin ich z.B. auch, aber nicht um alle paar Minuten meinen Standort, meine Gedanken und andere Dinge mitzuteilen, sondern viel mehr zur Kontaktpflege. Die Art und Weise, wie dort mit meinen zwar sehr spärlichen Daten und Fotos umgegangen wird, finde ich dennoch absolut daneben. Aber gut, ich habe mich trotzdem dafür entschieden.

    Alles Liebe
    Anni

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  5. Danke für deinen guten Bericht! Manches davon war mir gar nicht klar - Facebook wird mir immer suspekter, allerdings habe ich dort so viele "Freunde" mit denen ich ab und zu Kontakt habe und mich austausche, das würde sonst fehlen. Viel preisgeben tu ich aber dort nicht, hoffe ich ;-)

    Liebe Grüße! Yara

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