18.11.2012

„Wie viel ist ein Blogger wert?“

„Wie wir uns eine „Kooperation“ mit deinem Artikel und unserem Produkt vorstellen:

Wir würden uns über einen Artikel mit mindestens 250 Wörtern freuen. Bitte setze 3 oder mehr DoFollow-Links zu verschiedenen Seiten unserer Domain. Nur einen zu www. und weitere zum Bsp. zu Deinem gewählten Design oder zur Kategorie wo Du fündig geworden bist. Als bsp.: [...] zu finden in der Kategorie [...].

Ein Beispielartikel mit Beispielverlinkung findest Du auf der Seite [...]. Die Verlinkung folgenden Keywords ist unerwünscht: [...]. Bitte verlinke im Artikel Long Tail Keywords wie beispielweise: [...]. Links über Affiliate Portale, Affiliate Banner und ähnliches sind nicht erwünscht. Ein Einleitungssatz oder ähnliches, dass wir Dich zum Schreiben eines Artikels auffordern gilt auch zu vermeiden.

Ich bin Dein Ansprechpartner für all Deine Fragen. Allerdings möchte ich bitte nicht namentlich im Artikel genannt werden. Ein paar Fotos zu [...] oder zum Bestellvorgang wären ein schöner Zusatz zum Artikel. Außerdem möchten wir Dich bitten, den Artikel innerhalb von 2 Wochen nach Eintreffen unseres Produktes auf Deiner Seite zu veröffentlichen. [...] Sobald wir positives Feedback von Dir erhalten, schicken wir Dir den Gutscheincode für 16,90€ zu.“


Wie viel ist die Leistung eines Bloggers wert? Gibt es dazu objektive Maße?

Es ist legitim, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Wertbeitrag ich für ein Unternehmen erbringe und was dieser dem Unternehmen wert ist. Es ist einige Zeit her, dass ich ein Angebot eines Unternehmens bekommen habe, das ich als Negativbeispiel heranziehen möchte. In diesem Artikel rund um das Thema Blogger und Kooperation geht es um Feinheiten der verbalen und nonverbalen Verhandlung und Werte. Es geht um den Respekt und die Wertschätzung unserer Arbeit. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ oder auch: „Von der Idee zur Herzensangelegenheit“.

Folgende Aspekte können als Anhaltspunkte für den objektiven Wert eines Blogs von Wichtigkeit sein:

Zielgruppe, tägliche Seitenaufrufe, tägliche eindeutige Besucher (unique visitors), monatliche Seitenaurufe, BacklinksAlexa TrafficPageRank, regelmäßige- bzw. RSS-Leser, Newsletter Abonnenten, Gestaltung und Einnahmen.

Welche Formen von Kooperation gibt es? Auf welcher Basis erfolgt die Berechnung einer Vergütung?

Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob es sich um eine redaktionell gestaltete Werbeanzeige resp. Advertorial, eine Produktplatzierung resp. Product Placement oder einen gesponserten redaktionellen Beitrag in einem Print- oder einem Online-Medium handelt. Nach § 10 der Länderpressegesetze sind diese deutlich als „Anzeige“ zu kennzeichnen, damit sie von Lesern und Verbrauchern klar unterschieden werden können [2].

Im Bereich Mediaplanung wird der Tausenderkontaktpreis, auch TKP genannt, eingesetzt. Er gibt an, welcher Geldbetrag für eine Werbemaßnahme investiert werden muss, um 1.000 Personen einer Zielgruppe zu erreichen [1]. Um nur ein Beispiel zu nennen: stilanzeigen ist ein junges Startup aus Berlin, das statische Anzeigen vergütet. Der TKP liegt „meist zwischen 2,00 und 6,00 € (je nach Netzwerk)“ [3]. Da die TKP-Methode auf einige Blogs nicht anwendbar ist, bietet sich die Vereinbarung einer pauschalen Vergütung bei einem klar definierten Auftrag mit absehbarem Zeitaufwand an. Im Gegensatz zu Banner- bzw. Werbeeinblendungen kann Textwerbung wie ein redaktionelle Beitrag meistens nicht unwiderruflich gelöscht werden.

Wie handhabe ich es?

Zunächst gehe ich offen und wertschätzend in eine Verhandlung, die zu Entgegenkommen auf der anderen Seite einlädt. Das bedeutet auch, dass ich mit überzeugenden Argumenten den Mehrwert meines Blogs beschreibe und konkrete Vorstellungen in Bezug auf eine Kooperation äußere. In vielen Situationen hat sich die höfliche Anrede in Sie-Form bewährt.

Im Regelfall fällt die Entscheidung zugunsten der pauschalen Vergütung aus. Jede Form von entgeltlicher Bezahlung wird zur Gewinnspielgestaltung und Kostendeckung verwendet. Hierzu zählen Kosten für Bildrechte, Domain, Imagehoster, Versandkosten, Ausstattung und vieles mehr. Entsprechend meiner bisherigen Besuchsleistung setze ich durchschnittlich eine dreistellige Summe für einen redaktionellen Beitrag an, der genug Spielraum für die Verhandlungen mit dem Unternehmen lässt. Infolgedessen liegt die Höhe der Forderung meist 20 bis 30 Prozent über meinem „heimlichen“ Wunschbetrag. Davon zu unterscheiden sind redaktionelle Beiträge über Produkte, die ich gefragt oder ungefragt erhalte. Für diese gebe ich keine zusätzlichen Tätigkeitskosten an, falls mich das Produkt interessiert. Nach Veröffentlichung des Beitrags wird eine Rechnung ohne Umsatzsteuer nach Anwendung der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG ausgestellt. Insgesamt werden alle wichtigen Ereignisse und Vereinbarungen einer Excel-Datei festgehalten.

Wie man es dreht und wendet, die Vergütung in Höhe von „16,90€“ des zuvor angeführten Angebots steht in keiner vernünftigen Relation zum Arbeitsaufwand. Im Grunde genommen müssten diese Angebote ganz verboten werden. Nur auf diese Weise wäre gewährleistet, dass jede einzelne Anforderung vergütet würde. Ich würde mir wünschen, dass wir näher zusammenrücken und Ausbeutung oder den Folgen von ungleicher Handhabung keine Chance geben.

Weitere Informationen findet ihr hier:
Brauche ich als Blogger ein Gewerbe?
Gewerbeanmeldung: Bloggen mit Gewerbeschein
Media Kit Beispiel 1
Media Kit Beispiel 2
Media Kit Beispiel 3

[1] Monetarisierung - Geschäftsmodelle im Internet (o.J.). TKP - Tausender-Kontakt-Preis. Verfügbar unter http://www.monetarisierung.net/tkp-tausender-kontakt-preis/ [18.11.12]
[2] BURDA NEWS GROUP MediaLine (2009). Wissen - Medialexikon. Verfügbar unter http://www.medialine.de/deutsch/wissen/medialexikon.php?snr=4723 [18.11.12]
[3] stilanzeigen (o.J.). stilvolle Werbung für deinen Blog. Verfügbar unter https://stilanzeigen.net/fuer-blogger [18.11.12]

Kommentare:

  1. Sehr toller Artikel! Ich finde es super, dass du so offen das Thema Vergütung behandelst! Leider wird ja in diesem Bereich viel zu oft geschwiegen! Dadurch passiert es mir, als keinem Blogger, dass ich ein Angebot erhalte, total Happy bin überhaupt von einer Firma angesprochen zu werden und im nachhinen erfahre, dass die Firmen sich wahrscheinlich ins Fäustchen lachen, weil Sie mit meiner Unerfahrenheit ein Schnäppchen geschlagen haben! Ich habe immer noch das Gefühl dankbar sein zu müssen, wenn ich etwas zur Verfügung gestellt bekomme und darüber schreiben darf. Natürlich bin ich auch Dankbar und freue mich jedesmal ungemein. Das ich so evtl. mit meiner Unbekümmertheit den "Markt" kaputt mache, ist einem ja leider gar nicht bewusst.

    Also nochmal danke, dass du so offen bist! Wir sollten einfach alle ein bischen näher zusammenrücken!

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  2. Vielen Dank für Deinen Artikel. Ich schalte selbst keine Werbung, habe bisher Angebote für Blogartikel oder Produkte immer abgelehnt. Mir wäre die ganze Gewerbe-Anmelde-Geschichte einfach zu kompliziert. Ich wurde auch von Paperblog gefragt, ob ich meine Blogposts dort veröffentliche, aber die schalten ja Werbung und würden dann kostenlos von mir Content bekommen. Da habe ich abgelehnt.

    Ich finde gut, wie Du das handhabst. Es klingt durchdacht und macht Sinn. Natürlich muss man sich da auch einarbeiten und genau das ist wichtig. Leider machen das nicht alle und das finde ich schade. Dein zitiertes Beispiel hat mich beim Lesen geradezu verärgert. Das ist schon dreist. Zum Glück bekomme ich solche Mails nicht.

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  3. Auch ich möchte mich für den tollen Artikel bedanken. Ich wurde in meiner kurzen Bloggerlaufbahn erst zweimal von Firmen in solcher Weise (und überhaupt) angeschrieben. Ich habe richtig gemerkt, dass ich für die sehr billige Werbung wäre und die sich die Hände reiben würden. Ich habe kein MediaKit und mir noch keine Gedanken über meinen Preis gemacht. Aber ein ominöses Geschenk im Wert von 50 € ist es schon mal nicht.

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  4. Ein ganz toller Artikel und auch super, dass mal einer das Thema so offen anspricht denn es kommt wirklich häufig vor. Ich glaube viele Firmen wissen auch einfach immer noch nicht, wie sie richtig mit dem Medium Blog und den Dahinterstehenden umgehen sollen. Aber das Angebot dass du gepostet hast empfinde ich persönlich wirklich als Frechheit oder Ausbeute. Wie du auch sagst, es steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Einen dreistelligen Betrag halte ich für angemessen. Wie du auch sagst, ein Unternehmen muss sich überlegen, dass eine solche zielgerichtete Werbung auch mehr rechnet als 16€. Es geht mir hier auch nicht um Gier sondern ich finde es nur fair, für einen gewissen Aufwand eine faire Entlohnung zu bekommen, das ist in allen anderen Bereichen mehr oder weniger selbstverständlich... Ich selbst habe auch schon Beispiele erlebt, in denen mir Angebote gemacht wurden, Artikel auf meinem Blog zu veröffentlichen die ich nicht mal selbst hätte verfassen dürfen sondern den irgendeine Marketing Abteilung von denen schreibt...und das für undurchsichtige Konditionen. Als ich das abgelehnt habe mit dem Verweis, dass man mir gerne Produkte zuschicken kann die ich allerdings ganz unvoreingenommen bewerten würde hieß es dann, man könne grundsätzlich keine Testmuster verschicken...Fand ich wirklich strategisch suboptimal und das sage ich nicht nur als Blogger sondern als BWLer mit Schwerpunkt Service und Online Marketing...

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  5. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag. In diesem Feld besteht noch viel Handlungsbedarf, bevor gewerblich motivierte Blogger und Werbekunden angemessen aufeinander zugehen werden. Aber die ersten Schritte sind gemacht.

    Was mich persönlich interessieren würde: Wie gehst Du mit den neuen Google-Richtlinien bezüglich gesponserter do-follow Verlinkung um? "Erlaubt" ist ja in diesem Zusammenhang nur noch no-follow, womit alle Anfragen, die allein auf SEO und linkbuilding abzielen mit sofortiger Wirkung hinfällig wären, oder sehe ich das falsch?

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  6. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Leider sind viele Blogger noch sehr uninformiert in diesem Bereich und du hilfst mit diesem Post für mehr Aufklärung und somit für hoffentlich mehr Zusammenhalt! Ich habe deinen Artikel gleich mal mit in meine Fundstücke der Woche aufgenommen:)
    siehe hier: http://beautyressort.blogspot.de/2012/11/fundstucke-der-woche-3.html

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  7. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Gerade für die noch kleinen Blogger, die bisher gar keine Erfahrung mit Kooperationen haben, ist dieser Artikel sehr hilfreich.

    Liebste Grüße,
    Lia <3

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  8. Frau Kirschvogel:
    In Bezug auf die neuen Google Richtlinien würde ich nur Verlinkungen in Beiträgen auf „nofollow“ setzen, bei denen es sich um ein Advertorial, einen gesponserten redaktionellen Beitrag oder Produktplatzierung handelt. Wenn ich einen Beitrag schreibe, in dem ich einen Online Shop oder ein Produkt ohne Bezahlung empfehle, dann würde ich Dofollow Links weiterhin benutzen. Aus SEO Sicht sind NoFollow Links „fast“ unbrauchbar, weil sie keinen Link Juice an die Webseite weitergeben. In jedem Fall ist jede Verlinkung ein Verweis, der Besucher nach sich ziehen kann, aber SEO Agenturen nicht befriedigen wird. Auf kurz oder lang wird man schauen, welche neuen Möglichkeiten es gibt, um ein gutes Ranking zu erzielen.

    Beauty-Redakteurin:
    Vielen Dank für deinen Kommentar und die Verlinkung in deinen Fundstücken der Woche. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

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  9. Das ist ein ganz toller Beitrag! Vielen Dank dafür :-)

    Ich schalte inzwischen auf meinem Blog auch Werbung. Anfangs bin ich sehr blauäugig in die Sache reingegangen, inzwischen habe ich meinen Blog aber auch offiziell angemeldet (als Kleinstgewerbe) und sammle brav alles für die Steuer.

    Ich bekomme recht viele Werbeanfragen, aber gut 80% davon sortiere ich aus weil die Partner oder die Produkte nicht zu meinem Blog passen.

    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche :-9

    Ganz liebe Grüße von Nicole

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  10. Ich habe auch schon unverschämte Anfragen erhalten, aber die von Dir zitierte schlägt dem Fass den Boden aus. Unglaublich!

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  11. @zeroutine Danke für Deine Antwort. So handhabe ich es auch. Ich glaube aber, dass es noch dauern wird, bis die Agenturen sich Gedanken über neue, legale Möglichkeiten machen.

    Momentan häufen sich leider lediglich die unseriösen Angebote, in denen explizit darum gebeten wird zu verschweigen, das man Geld oder PR-Samples bekommen hat. In meinen Augen ein Unding.

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  12. Hallo, ein sehr interessanter Artikel. Ich selbst blogge nun gute 2 Jahre und ich handhabe es mittlerweile so. Ich setze die Links der Firmen erst auf Dofollow und nach einem halben Jahr auf nofollow.

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  13. Hallo, ein Thema das sich viele Blogger Fragen - wie mache ich es richtig und was muss man beachten. Auch ich frage mich das des öfteren und finde deinen Artikel sehr informativ.
    Ich handhabe es mittlereile ( nach 2 Jahren bloggen ) so. Ich schreibe nicht mehr für einen Artikel für 5€. Dafür ist mir der Zeitaufwand ( Bilder machen, bearbeiten, Bericht schreiben) einfach zu groß.
    Ich mache es auch fast so wie du, ausser das ich nach einem halben Jahr die Links auf nofollow setze.

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